Impuls zum Sonntag

„Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein“ (Mk 10, 44)

Am Ende des heutigen Evangeliums spricht Jesus von seiner Mission, er sei gekommen, „nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben“. Das ist die Lehre, die er uns auch anvertraut: dienen anstatt zu herrschen. Es ist ein Weg, der über den „letzten Platz“ geht. Dieser „letzte Platz“ ist immer frei. Er ist der Platz, auf den alle abladen, was ihnen von oben her aufgeladen ist. Es ist der Platz des „Opfers“, der Platz der „Leichen“, über die man geht auf seinem Weg nach oben.

Wir haben eine verständliche Angst vor diesem letzten Platz, Angst davor, das Opfer für andere zu werden auf deren Weg nach vorn, im Betrieb, in unseren Lebenserwartungen. Unsere Angst zeigt sich noch in anderen Dingen, Angst vor Anforderungen, vor Schuld.

Wir können Ängste überspielen, sie nicht wahrhaben wollen. Und doch sind sie da – bei jedem von uns. Wir sind froh über jeden, der mit uns unsere Angst trägt, teilt – sie wird dann nicht mehr so unerträglich. Es gibt eine Solidarität des Einen mit uns, dem die Angst nicht fremd ist. „Er war in allem versucht, wie wir“, hören wir auch heute im Hebräerbrief. Er nimmt nicht die Angst, aber er trägt sie mit. Er ist uns den Weg durch die Angst vorausgegangen und ließ uns erfahren, dass derjenige, dem er vertraute, letztlich Liebe ist. Diese Liebe öffnet sich auch uns. Und so gibt es die Möglichkeit einer letzten Geborgenheit in einer Liebe, in der die Angst überwunden ist.

Der Weg dorthin ist der Weg Jesu. Und deshalb ist es auch der Weg über den letzten Platz, der Weg, der hinabführt, der dient und nicht herrscht. Es ist auch der Weg, der gegangen werden muss – wie Jesus ihn ging. Der letzte Platz, der mich Quelle sein lässt für den anderen, ist nicht der absolut letzte Platz; diesen Platz hinter allen anderen hat Jesus eingenommen. Für uns ist immer ein Platz hinter ganz bestimmten Menschen frei, für die wir Quelle sind – vielleicht um zu begreifen, dass sie vorher für uns Quelle waren.

Und darum ist diese Botschaft Jesu, sein Weg, sein totales Hinabsteigen für uns Froh-Botschaft, Anruf, diesen Weg mit ihm zu gehen. Es ist der Weg des Dienstes, des Quelleseins für andere, damit sie aufsteigen, wachsen können durch uns, damit sie reifen an unserem Leben. Der Dienst der Liebe, ist der Weg, die Angst zu überwinden – auch die Angst vor dem letzten Platz.