Impuls zum Sonntag

„Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1)

Am heutigen 2. Sonntag nach Weihnachten begegnet uns noch einmal dieselbe Textstelle, wie sie für den Gottesdienst am Tag des Festes der Geburt des Herrn angeboten wird. Noch einmal wird uns deutlich verkündet, dass in ihm auch unser Anfang grundgelegt wurde. Christus ist der Logos, das fleischgewordene Wort Gottes, durch das alles seinen Anfang nahm.

Ich sehe darin eine bedeutsame Wahrheit für uns: Wir entstammen nicht irgendeinem „Zufallstreffer“. Nicht irgendein Schicksal hat uns ins Leben gerufen. Gottes ausgesprochener Wille war es, dass wir leben, dass wir wir selbst sind, empfinden, denken, einander begegnen können.

Viele Theorien, sogenannte Gotteserweise oder weitere Bemühungen suchten schon nach den Anfängen menschlichen Lebens. Alle jedoch sind Bilder, Versuche einer Deutung auf dem Hintergrund der persönlichen Lebensgeschichte geschrieben. Das zeigt, wie stark die Menschen schon zu allen Zeiten an dem Grund ihres Daseins interessiert waren, wie sehr sie die Frage quält nach dem Sinn des Lebens. Es ist bewundernswert, welche geistige Höhen um die Lösung dieser Frage erreicht wurden. Es zeugt von der Realität göttlichen Geistes und menschlicher Größe, dass wir mehr und mehr die Gesetze der Natur zu deuten und zu verstehen lernen und keinen mehr verurteilen oder verbrennen, weil er einen neuen, bisher undenkbaren Versuch der Erklärung des Seins verkündet.

Wenn auch die Bibel kein Geschichtsbuch ist, die Texte keine historischen Begebenheiten beschreiben wollen, so ist dennoch in diesem Buch die ganze Wahrheit Gottes geoffenbart. Es ist an uns, immer mehr nach ihm zu suchen, in den Worten des Alten und des Neuen Testamentes seine Stimme zu vernehmen. Zweifelndes Hinterfragen, Unglaube gegenüber dem Überlieferten ist Erweis gläubigen Suchens nach Gott, wenn sich darin nicht menschliche Überheblichkeit breitmacht, die nur den Menschen, nur das Beweisbare, nur das Materielle sieht. Glaube wird dort anfanghaft, wo Schauen beginnt, wo das Undenkbare nicht als das Unmögliche gesehen wird, Übernatürliches nicht als bloße Phantasie abgetan wird.

Solchem gläubigem Suchen öffnet sich der Text des heutigen Tages wie ein geheimnisvolles Buch, wie ein Sesam aus dem Märchen, der tausend und abertausend Schätze in sich birgt. Der Schatz dieser Worte gibt dem fragenden Menschen Antwort auf seine Ungewissheit, gibt ihm Halt in seinem Zweifel, seiner Unsicherheit und Ausweglosigkeit.

Deswegen die Einladung an alle in diesem Jahr, das wir vor wenigen Tagen begonnen haben, immer wieder die Heilige Schrift aufzuschlagen und uns von der Weisheit Gottes ansprechen zu lassen. Die wird uns in eine tiefere Erkenntnis unserer eigenen Berufung als Menschen und Kinder Gottes und in eine aufrichtigere Liebe zu ihm und unserem Nächsten führen.