Impuls zum Sonntag

„Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!“ (Mt 20, 7)

Das heutige Evangelium, in dem Jesus das Himmelreich mit der Arbeit an einem Weinberg vergleicht, zeigt uns in besonderer Deutlichkeit ein Bild unseres christlichen Gottes.

Normalerweise ging ein Weinbergbesitzer morgens nur einmal hinaus auf den Markt, um Tagelöhner für seinen Weinberg zu werben. Der Gutsbesitzer unseres Gleichnisses dagegen ist den ganzen Tag unterwegs.
Wer achtet schon auf die, die es nicht geschafft haben, sich schon als erste eine Arbeit zu besorgen. Sie sind unbrauchbar oder faul. Aber finden kann schließlich jeder, wenn er nur will. Gar zu oft ist das auch unsere Meinung. – Wir versuchen, sehr genau und geschäftig unser Tagewerk zu vollbringen, und schauen nur einmal gelegentlich nach denen, die da vergammelt herumsitzen. – Der Herr des Weinbergs aber tut nichts dergleichen.

Er schaut sich nur auf dem Markt unserer Welt um; mitten im Getriebe des menschlichen Alltags hält Gott Ausschau nach den Menschen, die da herumstehen, um die sich niemand kümmert. Er schreibt niemanden ab, er wirbt um alle. – Und wie ist es bei uns? - Suchen Sie sich mal als 60jähriger eine neue Stelle. - „Nein, es tut mir leid. Wir haben die Stelle schon besetzt!“ – „Der Chef ist heute nicht da, kommen Sie doch morgen noch einmal vorbei.“ – und morgen sagt man Ihnen genau dasselbe.- Oder man sagt Ihnen gleich, dass Sie nicht mehr gebraucht werden.

Noch einen Gedanken möchte ich kurz beleuchten: Am Ende dieses Vergleiches mit dem Himmelreich steht der Satz: „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.“ – Gott schaut nicht darauf, wie viel und wie lange jemand gearbeitet hat. Entscheidend ist die Intention, das freiwillige Sich öffnen des einzelnen ihm und seinem Angebot gegenüber. Wer Gott wirklich liebt, muss sich freuen, dass Gott sich der Sache der Sünder und der Ungerechten annimmt, ihnen seine Güte anstelle von kleinlichem Recht zuteil  werden lässt, weil er alle Menschen retten will. Gott sucht nicht irdische Gerechtigkeit, sondern Güte, wie er sie uns gelehrt hat.

Er ruft uns auch heute in seinen Weinberg, seine Güte zu verbreiten!