Impuls zum Sonntag

„Das Böse kommt von innen“ (Mk 7, 23)

Die Haltung eines Menschen lässt sich nicht in das Korsett eines Gesetzes zwängen. Jesus warnt im heutigen Evangelium davor, die Menschen nach der äußerlichen Erfüllung des Gesetzes zu beurteilen. Die innere Einstellung des Herzens soll mit der äußeren Handlung übereinstimmen. Wie also steht es mit unserer inneren Einstellung? Bewegt uns in der Beziehung zueinander das Liebesgebot Jesu wirklich, sodass wir es zu eigen machen? Versuchen wir, in allem Tun Gerechtigkeit und Liebe als Maßstäbe zu setzen? Oder leben wir eher gleichgültig, gehen zur Eucharistiefeier nur deshalb, weil wir es so von klein auf gewohnt waren, richten uns im Geschäftsleben mehr nach dem Profit als um ein besseres Miteinander bei den Kollegen? Diese Fragen kann nur jeder für sich beantworten. Keiner soll sich zum Richter des anderen machen wollen, weil niemand dazu in der Lage ist! Aber wenn ich meine Schwächen und Fehler erkenne, muss ich auch daran arbeiten.

Es geht nicht, dass ich von anderen erwarte, sie müssten mich so akzeptieren, wie ich bin, ich aber nichts tue. Nicht eine Zumutung von Lasten soll ich anderen sein, sondern eine Zumutung an Liebe. Freilich kann auch das Anstoß erregen, wie auch Jesu Verhalten immer wieder Grund zum Anstoß gab. Aber die Klarheit meines Verhaltens muss erkennbar sein, mein Tun, Denken und Reden müssen übereinstimmen. Dann wird auch mein ehrliches Bemühen eher zu einer besseren Situation, zu überlegterem Handeln führen. Nicht die Frage: „Was darf ich alles nicht?“ soll uns anleiten, sondern die Frage: „Was alles kann ich tun?“ Nicht deswegen versage ich mir etwas, weil die 10 Gebote es mir verbieten, sondern weil meine Haltung es nicht zulässt, da ich sonst gegen die Liebe verstoßen könnte. Das ist der einzige Maßstab: die Liebe. Wenn ich mich um Liebe mühe, um ein Leben, wie Christus es uns vorlebte, dann richte ich mir keine sklavenhaften Verhaltensmuster auf, die mich rechtzeitig aufmerksam machen. Wenn ich mir die Haltung der Liebe mehr und mehr zu eigen mache, dann sind auch meine konkreten Handlungsweisen davon gekennzeichnet. Darum lohnt es sich, wenn ich mich um Christus bemühe, weil er mich befreit vom Gesetzesdenken und mich frei macht für eine Bindung an die Haltung der Liebe.