Impuls zum Sonntag

Aus einer Rede über die Palmzweige (Andreas von Kreta 650-740)

Auch ich will zu Christus rufen. „Gesegnet sei der König Israels, der kommt im Namen des Herrn!“ Die Abschiedsworte am Kreuz sind uns wie Palmzweige, die wir ihm entgegenschwingen. Nicht mit Ölzweigen in den Händen wollen wir ihm zujubeln, sondern geschmückt mit den Almosen, die wir einander spenden. Wie Kleider wollen wir ihm die Sehnsucht unseres Herzens unter die Füße breiten, damit er ganz in uns Fuß fasse, ganz in uns sei und zeige, dass wir ganz in ihm sind. Zion wollen wir mit dem Propheten zurufen: „Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe dein König kommt zu dir. Er ist gütig und reitet auf einem Esel, einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“

Der überall gegenwärtig ist und das All erfüllt, er kommt, um in dir das allumfassende Heil zu wirken. Er kommt, der „nicht gekommen ist, um Gerechte zur Umkehr zu rufen, sondern Sünder, um die in der Sünde Verirrten zurückzuholen. Fürchte dich nicht, „Gott ist in deiner Mitte, darum wirst du nicht wanken“. Nimm ihn auf, die Hände zum Himmel gewandt; denn er hat deine Mauern in seine eigenen Hände gezeichnet. Nimm ihn auf, denn er hat dein Fundament in seine Hände gelegt. Nimm ihn auf, denn er nimmt alles, was unser ist, auf sich außer der Sünde, um alles Unsrige in sich aufgehen zu lassen. Mutter, Stadt Zion, freue dich und fürchte dich nicht! „Feiere deine Feste.“ Wegen seines Erbarmens preise ihn, der in dir zu uns gekommen ist. Aber auch du, Tochter Jerusalem, freue dich sehr singe und tanze! „Auf, werde licht“ –mit Jesaja, der heiligen Posaune, rufen wir es-, „denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir!“ Welches Licht? „Das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt“, das ewige Licht, das zeitlose Licht, das der Zeit sichtbar wurde, das Licht, das im Fleisch erschien, aber von Natur aus verborgen ist; das Licht, das die Hirten umstrahlte und den Weisen den Weg zeigte; das Licht, das von Anfang an in der Welt war, durch das die Welt geworden ist; das Licht, das in sein Eigentum kam, „das die Seinigen aber nicht aufnahmen“.

„Die Herrlichkeit des Herrn“. Was für eine Herrlichkeit? Offenbar das Kreuz, an dem Christus verherrlicht wurde, der „Abglanz der Herrlichkeit“ des Vaters, wie er selbst vor seinem Leiden sprach: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht, und er wird ihn bald verherrlichen.“ Damit nennt er seine Erhöhung am Kreuz Herrlichkeit. Das Kreuz ist ja die Herrlichkeit Christi, seine Erhöhung. Denn er sagt: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“