Rosenkranz

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe,

von ihm kommt mir Hilfe. (Psalm 62,2)

 

 

Murmeln, nicht plappern!

Der Rosenkranz ist ein meditatives Gebet. Das Wiederholen bestimmter Worte spielt dabei eine wichtige Rolle. (In gewisser Weise erinnert das an fernöstliche Mantras.) Der Wert der Wiederholung liegt nicht in der Anhäufung von Worten – das wäre geistloses „Geplapper" (Matthäus 6,7) –, sondern im Rhythmus des Sprechens, der die Seele zur Ruhe kommen lässt und sie auf die Begegnung mit Gott einstimmt.

Die hebräische Bibel kennt das Wort „hagah", das zugleich „murmeln" und „nachsinnen" bedeutet (z. B. in Psalm 1,2). Auch beim Rosenkranz ist das gleichmäßige „Murmeln" eine Hilfe, sich zu vertiefen und über all das „nachzusinnen", was Gott uns in Jesus Christus geschenkt hat.  „Rosenkranz beten ist nichts anderes, als mit Maria das Antlitz Christi betrachten.“ (Johannes Paul II.)

Die einzelnen Gebete werden symbolisch als „Rosen“ gedeutet, die einen „Kranz" bilden. Der Kranz ist Symbol des ewigen Lebens (Jakobus 1,12; 1 Petrus 5,4; Offenbarung 2,10). Auch die (geweihte) Schnur oder Kette, die zum Zählen der Gebete verwendet wird, nennt man Rosenkranz. Wie jedes meditative Gebet setzt auch der Rosenkranz ein gewisses Maß an Übung voraus, ehe er für das spirituelle Leben als hilfreich erfahren wird.
 

Im Kloster entstanden

Der heute übliche Rosenkranz geht auf eine Vorform zurück, die der Kartäusermönch Dominikus von Preußen im 14. Jahrhundert in Trier entwickelt hat. Den Brauch, Gebetsschnüre zu verwenden, gibt es auch im Islam und in den Religionen Indiens; er ist über die orthodoxe Kirche auch ins Abendland gekommen.

 

Kein Fanatismus!

Die katholische Kirche empfiehlt das Rosenkranzgebet, warnt aber auch vor einem Rosenkranz-Fanatismus: „Will man den Gläubigen den Wert und die Schönheit des Rosenkranzes erklären, dann sollen Ausdrücke vermieden werden, die andere hervorragende Gebetsformen in den Schatten stellen [...] oder die ein Schuldgefühl bei denjenigen erzeugen können, die ihn nicht zu beten gewohnt sind.

Der Rosenkranz ist ein hervorragendes Gebet, dem gegenüber sich der Gläubige frei fühlen soll, wenn er aufgefordert wird, in besinnlicher Ruhe und in seiner ihm innewohnenden Schönheit zu ihm zu greifen."

(Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie vom 17.12.2001, Nr. 202)
 

Keine Vorschrift

Es gibt keine kirchlichen Vorschriften, wie der Rosenkranz zu beten ist. Er kann in gesamter Länge oder teilweise (z.B. nur ein Gesätz), allein oder in Gemeinschaft – abwechselnd zwischen Vorbeter und Gemeinde oder zwischen zwei Gruppen – gebetet werden.

In dreisprachigen Ländern hat sich folgender Gebetsbrauch herausgebildet und bewährt (A und B markieren eine mögliche Textverteilung, falls der Rosenkranz als Wechselgebet gesprochen wird):

(Quelle Karl Veitschegger)