Männerrunde Maria Frieden – nur für Männer

„Nur für Männer – Männerrunde `10“, unter diesem Titel stand im Frühjahr 2010 ein Aufruf im Gemeindeblatt und in den Gottesdiensten der Kirchengemeinde Maria Frieden. Dies war ungewohnt,. da doch das heutige Gesellschaftsbild die Geschlechter gerne unter einem Hut hat. Aufhänger für diesen Aufruf war das Buch von Björn Süfke – „Männerseelen“.

Am 14. April 2010 folgten 9 Männer, inklusive den Initiatoren Pfr. Mathias Laminski, Maria Frieden, und Alexander Obst, zuständig für Männerseelsorge im Erzbistum Berlin, dem Aufruf. Es war eine bunt gemischte Gruppe im Alter zwischen 37 und 52 Jahren aus den unterschiedlichsten Berufen und Herkunftsregionen. Nach einer kurzen Einführung durch Alexander Obst folgte eine Vorstellungsrunde. Schnell wurde klar, dass hier eine Offenheit herrschte, die Grundlage für eine dauerhafte Gemeinschaft werden könnte.

Inhalte für ein Programm waren ebenfalls schnell gefunden. Es war ein Querschnitt an Themen die man uns Männer, von denen man immer glaubt das sie sich nur über Autos, Fußball oder über das Erscheinungsbild von Frauen unterhalten können, nicht direkt zugeschrieben hätte u.a., eine Lesung von Björn Süfke – „Männerseelen“ mit Diskussion; die vier Typen einer Männerstudie; mein Leben im Hamsterrad; der bevorstehende Papstbesuch. Natürlich wurde und wird nicht immer strikt nach Schema ein Thema abgearbeitet, da es auch tagesaktuelle Interessen gibt, seien es persönliche oder öffentliche Anliegen.

Berufliche und familiäre Verpflichtungen bringen es mit sich, dass nicht immer alle anwesend sein können. Deswegen freuen wir uns über neue Männer, die sich unserer Runde anschließen und/ oder uns kennenlernen möchten. Wir treffen uns an jedem dritten Mittwoch im Monat um 20.00 Uhr in den Gemeinderäumen von Maria Frieden. Info bei Alexander Obst: Alexander.Obst@erzbistumberlin.de  oder 030 – 76 10 67 34 (AB).

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"Männerseelen - eine Reise durch die männliche Innenwelt"

BERLIN-MARIENDORF – Mit dem Männergottesdienst in Maria Frieden und einem Vortrag über die „männliche Innenwelt“ begann am 3. November im Dekanat Berlin-Tempelhof eine neue Initiative in der katholischen Männerarbeit. Mehr als 70 fast ausschließlich männliche Teilnehmer dokumentierten den Bedarf für eine eigene Männerseelsorge.

 

Männer jeden Alters in ausgewogener Mischung waren gekommen und keiner sah aus, als hätte ihn seine Frau geschickt. Grund für die Nachfrage war dabei wohl kaum der seit zehn Jahren am 3. November begangene Weltmännertag. Selbst den Organisatoren im Dekanat war dieser ungewohnt neue Gedenktag bei der Vorbereitung nicht im Blick. Ob Zufall oder Fügung, in jedem Fall traf die Einladung bei manchem katholischen Mann einen Nerv. „Auch wir Männer sollten uns das Rufen nach Jesus, nach Erfüllung nicht verbieten lassen“,sagte Alexander Obst, Pastoralreferent im Dekanat, am Beginn des Abends. Er knüpfte damit an das Evangelium vom blinden Bartimäus an, das in der Messe gelesen wurde. Mit einem ganz ähnlichen Appell stieg Björn Süfke in seinen Vortrag mit dem schönen Titel „Männerseelen – eine Reise durch die männliche Innenwelt“ ein. „Männer, es ist Zeit, dass wir uns um unser Wohlbefinden kümmern“, erklärte der Psychologe, der in Bielefeld in der Männerberatung tätig ist. Mit den herkömmlichen Klischees zwischen Sessel, Bier und Sportschau einerseits und triebgesteuertem Machogehabe andererseits hatte Süfkes Analyse des heutigen Männerbildes wenig zu tun. Seine Bestandsaufnahme hatte auch nichts von Selbstmitleid. Mit viel Humor, aber auch nachdenklichen Tönen beschrieb er, wie sich Männer zwischen dem kraftstrotzenden Kerl der Heldendenkmäler und zunehmend herabsetzenden Begriffen orientieren müssten. Das frühere Modell des immer starken Mannes, der beschützt, leitet und Bescheid weiß, sei unrealistisch, gesundheitsschädigend und belastend. In der öffentlichen Wahrnehmung sei neben diese alte Illusion inzwischen eine Karikatur des Mannseins getreten. Der Mann als simples, hormongesteuertes Wesen, „durchschaubar wie der Mops vor der Wurst“, finde sich in der Ratgeberliteratur dutzendweise. Nach Modellen aus der Hundeerziehung würden längst nicht nur weibliche Autoren Vorschläge für die saubere und artgerechte Haltung von Männern unterbreiten. Wenn auch nicht alle diese Vorschläge bierernst gemeint sein dürften, bildeten sie die Hintergrundfolie für Süfkes Reise durch die Entwicklung der männlichen Gefühlswelt.

Männer hätten nicht weniger Gefühle als Frauen, erklärte der Psychologe und Familienvater. Allerdings sei Männern durch gesellschaftliche Bilder und Erziehung der Blick auf die eigene Emotionalität verstellt. Erwartungen an einen Mann würden schon in der frühen Erziehung vorwiegend funktional und äußerlich bestimmt. Jungen erhielten zudem viel weniger Rückmeldungen über ihre Gefühlswelt als Mädchen. Fatal wirke sich das fast vollständige Fehlen männlicher Vorbilder in der Kindheit aus, beklagte Süfke die Zustände im Erziehungs- und Bildungswesen. Während die Väter oft aus beruflichen Gründen oder durch familiäre Probleme wenig verfügbar seien, begegneten Jungen in Kitas und Grundschulen fast ausschließlich Frauen . Mangels Vorbild würden Jungen zwangsläufig das Mannsein mit dem Gegenteil des Weiblichen identifizieren. Mitgefühl, Fürsorge und andere emotional bestimmte Verhaltensweisen würden so als „unmännlich“ angesehen, von der eigenen Existenz abgespalten und diskreditiert. Das hieraus entstehende Dilemma identifizierte Süfke als den Zwiespalt zwischen „emotionaler Bedürftigkeit und professionalisierter Gefühlsabwehr“. Würden die Gefühle von Männern thematisiert, würde dies häufig lächerlich gemacht. Was für Frauen selbstverständlich ist und in vielen Projekten finanziell gefördert wird, sei für Männer noch längst nicht üblich. Süfke lud die Männer ein, sich ihren Emotionen als Handlungsrichtschnur zu stellen und Lebensräume in Form eigener Männergruppen zu erschließen. „Es gibt dabei keinen Gegener, die Frauen unterstützen uns und auch in uns lauert nicht der Feind“, ermutigte er. Am Ende des Vortrags kündigte Horst Bienert als Vorsitzender des Dekanatsrats weitere Veranstaltungen dieser Art an, die das bisherige Angebot für Männer im Erzbistum ergänzen und erweitern sollen.

(Thomas Marin, Bericht für die Kath. Sonntagszeitung, mit Genehmigung des Autors).