Wallfahrtspredigt 5.01.2012 von Pfarrer Johannes Kleene aus Ingelheim
Als Jopi Heesters am 24. Dezember starb, da gab es am Himmel eine merkwürdige Himmelserscheinung: Ein Sternenschweif, der wie ein Komet am Himmel auftauchte, fast so wie der Stern vom Bethlehem, den die Weisen aus dem Morgenland sahen. Viele riefen die Polizei an. Es stellte sich später heraus: es waren die Reste einer russischen Rakete, die in den Weltraum geschossen worden war, keine außergewöhnliche Himmelserscheinung.
Vielleicht waren viele enttäuscht.
Was ich noch nicht wusste, aber in diesem Zusammenhang gelesen habe: Seit 1947 ist die Zahl derer, die behaupten, Zeichen und Wunder am Himmel zu sehen, in die Tausende gegangen. Geheimnisvolle Lichter und fliegende Objekte werden beobachtet und Phänomene, die scheinbar alle irdischen Möglichkeiten übersteigen.
Die Wissenschaft, auch die Sicherheitsbehörden haben sich dieses Phänomens angenommen. Seit Anfang der 80er Jahre gibt es Umfragen in England zu diesem Thema, und immer wieder wird festgestellt: es glauben mehr Menschen an Außerirdische als an Gott.
Die Psychologen schweigen dazu natürlich auch nicht und haben ihre eigenen Erklärungen. Vor langen Jahren hat C. G. Jung dazu geschrieben:
„Es gibt einen emotionalen, geistigen Hunger in der Welt, den ein trostloser, oberflächlicher Rationalismus nicht sättigen kann, weil er Steine statt Brot bietet. Die logische Folge ist ein unersättlicher Hunger nach allem, was außergewöhnlich ist.
Dazu kommt das Versagen der menschlichen Vernunft, das täglich in der Zeitung vorgeführt wird …
Es ist deshalb nicht überraschend, wenn alle möglichen Zeichen und Wunder am Himmel gesehen werden oder wenn ein wundersames Eingreifen vom Himmel gesehen und erwartet wird, wo menschliche Mühe versagt.
Fliegende Untertassen am Himmel hat man seit Urzeiten gesehen, aber die jetzige, überwältigende Frequenz dieser Erscheinungen kam erst, als die Möglichkeit globaler Zerstörung entstand.“
C.G. Jung meint, die menschliche Seele produziert das, was sie braucht. Die Seele hat Sehnsucht nach außerirdischer Intervention, nach einer Erlösung, die vom Himmel herabkommt.
Und Kinofilme wie „Krieg der Sterne“ oder andere reagieren auf diese Sehnsucht. Die machen damit natürlich ordentlich Kasse.
Als Kind bin ich mit Millionen von anderen ins Kino gepilgert zu „E.T. dem Außerirdischen“. Er hatte alle Merkmale eines göttlichen Messias, eines Erlösers. Er war liebevoll, er konnte heilen. Und am Ende spricht im Film ein Kind einen Satz aus, der wie ein Glaubensbekenntnis wirkt: „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen (d.h. da draußen im Weltall).“
Neben E.T. gab es als Kind noch einen weiteren Messias für mich: Superman.
Von Superman heißt es im ersten Comic:
„Es gibt einen Mann, der von seinem Vater auf die Erde gesandt wurde; er ist aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, und weil er nicht von dieser Welt war, wohnte er unter Menschen als Außenseiter. Aber er hatte eine außergewöhnliche Bestimmung: indem er seine eigentümlichen Gaben in den Dienst der Wahrheit und der Gerechtigkeit einsetzte, trat er für die Unterdrückten, die Sanftmütigen, die Geplagten und die Ohnmächtigen ein...um der ganzen Menschheit willen.“
Und der Vater dieses Mannes sagt zu ihm folgendes, bevor er ihn zur Erde schickt:
„Alles, was ich habe, gebe ich dir weiter, mein Sohn. Du wirst mich in dir tragen, alle Tage deines Lebens. Du wirst mein Leben durch deines sehen und dein Leben durch meines. Der Sohn wird der Vater und der Vater der Sohn.“
Noch einmal: Das ist kein Zitat aus dem Johannesevangelium, sondern aus Superman.
Ich fand als Kind „Superman“-Comics klasse. Ein Mann, ein Erlöser, der mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist, der vom Himmel herabkommt, der mit Gewalt aussichtslose Probleme schnell lösen kann.
Viel besser als Jesus Christus.
Denn Superman löst jedes Problem mit Schnelligkeit, indem er mit Gewalt eingreift und die Bösen hart anpackt.
Jesus Christus dagegen kommt nicht als ein Supermann, sondern er kommt in Ohnmacht und in Verwundbarkeit – er liegt in der Futterkrippe von Bethlehem und hängt am Kreuz von Golgatha.
Er löst die Probleme der Welt nicht mit Gewalt, sondern mit einer bedingungslosen Liebe, die sich unauffällig durchsetzt.
Er löst Probleme nicht sofort, sondern er hat eine unendliche Geduld.
Und diese Geduld Gottes, die sich über Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende bewegt, die ist es, glaube ich, die es vielen so schwer macht zu glauben.
Gott hat es nicht eilig. Und er hat es oft auch nicht so mit den großen Gefühlen, dem Drama und spektakulären Aktionen wie Himmelserscheinungen.
Wunder und Marienerscheinungen, die geschehen jedenfalls nur sehr dosiert. Und zurückhaltend. Und die Kirche prüft immer sehr kritisch, bevor sie die Echtheit anerkennt.
Die Menschen haben diese Geduld oft nicht; sie wollen am liebsten ein schnelles Eingreifen von oben – entweder von Gott oder von Außerirdischen. Und dies am liebsten mit viel Emotion und Spektakel.
Hauptsache es passiert etwas, was uns von den unlösbaren Problemen dieser Erde befreit.
Aber bei Gott gibt es normalerweise keine schnellen Lösungen.
Die Bibel offenbart einen Gott, der lange warten kann, bis er einen Befreiungsmoment einleitet.
430 Jahre lang war das Volk Israel in Ägypten versklavt. Warum hat Gott so lange gewartet bis er die Befreiung durch Mose und die zehn Plagen einleitete?
Die Antwort lautet: er hat gewartet, bis das Volk schreit. Es heißt im Buch Exodus: „Und die Israeliten seufzten über ihre Knechtschaft und schrien, und ihr Schreien über ihre Knechtschaft kam vor Gott. Und Gott sah auf die Israeliten und nahm sich ihrer an.“
Mit anderen Worten: Gott hat gewartet, bis das Volk zu ihm geschrien hat, denn dieses Schreien war offenbar ein Zeichen, dass ein Reifungsprozess abgeschlossen war, und dass diese Sklaven jetzt bereit waren, als Volk Gottes in die Freiheit zu ziehen.
Und dann musste das Volk 40 Jahre lang in der Wüste wandern, ehe es bereit war, in das gelobte Land zu ziehen.
Gott hat abgewartet, bis die Herzen der ehemaligen Sklaven von ägyptischen Götzen befreit waren, bis sie gelernt hatten, wie es in der Bibel heißt, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern von allem, was aus dem Munde Gottes kommt.
Und dann musste Israel jahrhundertelang warten, bis es Auferstehungshoffnung bekam. Jahrhundertelang galt der Tod als absolutes Ende des Lebens. Erst in den spätesten Schriften des Alten Testamentes gibt es erste Hinweise auf eine Auferstehungshoffnung, denn Gott musste auch hier einen Reifungsprozess abwarten.
Gott wartete Jahrhundertelang „bis die Zeit erfüllt war“, wie es in dem Galaterbrief heißt, um den Messias zu schicken, der Jesus von Nazareth hieß. Nach jüdischer Zeitrechnung ist Jesus im Jahre 3753 geboren, d.h. 3753 Jahre nach Adam und Eva. Nach dieser Tradition hat Gott also 4000 Jahre gewartet, um eine Antwort auf den Sündenfall zu schicken. Und seit der Geburt Jesu hat Gott inzwischen 2000 Jahre Geduld gezeigt, Jesus ist immer noch nicht in Herrlichkeit zurückgekommen, weil er weiterhin darauf wartet, dass wir Menschen reifen.
Es ist offensichtlich, dass Gott den menschlichen Verstand und das menschliche Herz nicht ausklammert, sondern er wartet darauf, dass wir unseren Verstand und unsere Herzen entfalten, bis wir für etwas Neues aufnahmefähig sind, damit er unseren Verstand und unsere Gefühle in seine Pläne einbeziehen kann.
Das ist im Großen so wie auch im Kleinen. Wenn ich auf mein Leben schaue mit seinen ganzen Umwegen, dann würde ich sagen: Ich habe lange gebraucht, bis ich wirklich in den Plan und die Vorsehung Gottes einwilligen konnte – ich habe viel über mich und meine Gefühlsfallen lernen müssen, bevor ich mit Herz und Verstand zu Gottes Plänen Ja sagen konnte. Und die richtigen Entscheidungen treffen konnte.
So ist es glaube ich auch, was die Situation unserer Kirche angeht. Und auch, was Europa und die Welt angeht.
Es gibt eine Sehnsucht nach einem Eingreifen von außerirdischem Wissen, das menschlichem Wissen um Lichtjahre voraus ist, das uns Menschen von unseren Problemen befreit.
Aber so etwas ist von Gott nicht zu erwarten. Denn Gott wartet, bis die Menschen so weit sind, dass sie seine Gaben aufnehmen können. Es ist eine Pädagogik der kleinen Schritte, der ganz kleinen Schritte.
Aber er lässt uns dabei nicht allein. Er gibt uns Begleiter an die Seite. Maria ist für mich eine dieser großen Begleiterinnen.
Maria ist für mich Zärtlichkeit Gottes auf dem Weg. Sie ist es auch für Jesus auf seinem Kreuzweg. Die Blicke Mariens und sein Blick werden sich immer wieder getroffen haben auf seinem Kreuzweg. Und sie hält zu ihrem Sohn. Anders als viele andere, die sich dann doch bald andere Messiasse suchen, die schneller das Heil versprechen – aber es niemals schenken werden.
Wir Menschen brauchen Zeit, um in Gottes Pläne einwilligen zu können bzw. bis wir mit Herz und Verstand einsehen und auch wollen. Vorher ist Gott bereit, uns in geduldiger Liebe zu führen. Auch zu tragen und zu ertragen.
Maria, als große, erfahrene Schwester und himmlische Mutter, kann uns verstehen und hilft uns beim Einwilligen.
Sie hat ja selbst Ja gesagt. Und – wie es heißt – vieles in ihrem Herzen hin und herwerfen müssen im Vertrauen.
Auch im neuen Jahr werden wir mit ihr an der Seite von Gott durch die Zeit geführt.
An Maria, die Mutter des Sohnes Gottes, der unser Bruder geworden ist, richten wir vertrauensvoll unser Gebet. Sprechen wir zu Maria: Begleite uns, himmlische Mutter des Erlösers, das ganze Jahr lang, das nun beginnt, und erwirke bei Gott das Geschenk des Friedens für die ganze Menschheit. Heilige Gottesmutter, bitte für uns.
Amen.
Wallfahrtspredigt von Pfarrer Wolfgang Schonecke am 4.08.2011
Unsere Wallfahrt dieses Jahr fällt auf das Fest des heiligen Pfarrers von Ars. So wollen wir uns heute Gedanken über das Priestertum machen, besonders über das Priestertum der Gläubigen, das allgemeine Priestertum.
Beginnen wir mit einem Beispiel aus Afrika. Vor 20 Jahren besuchte ich einen Mitbruder im Südsudan, ein Land, das nach 30 Jahren Bürgerkrieg jetzt seine Unabhängigkeit gewonnen hat. Auf dem Weg zu seiner Pfarrei trafen wir einen alten Mann, Matthias, den Katechisten der Pfarrei. Vor vielen Jahren als die Islamisten die Regierung im Sudan übernahmen, erzählte mir mein Mitbruder, wurden alle Missionare des Landes verwiesen. Der junge Matthias sagte sich damals: Alle Priester sind weg. Irgendjemand muss ihre Arbeit weitermachen. Ein Jahrzehnt lang zog er von Dorf zu Dorf, taufte die Neugeborenen, unterrichtete die Kinder, betete und feierte Gottesdienste mit den Familien und Dorfgemeinschaften. Kein bezahlte ihn dafür. „Und was das erstaunlichste ist“, fügt mein Mitbruder hinzu, „Matthias ist blind geboren.“ Am nächsten Tag feierten wir Weihnachten. Nach der Messe fragte ich Matthias über einen Dolmetscher, wie er denn überhaupt in den Bergen seinen Weg finden könne. Auf alle meine Fragen hatte er nur eine Antwort: „By the power of God.“ „Mit der Kraft Gottes.“
Matthias ist kein Einzelfall. Die meisten Gemeinden in Afrika sind von Laien gegründet worden. Bis heute sind die Laienkatechisten das Rückgrat der Kirche in Afrika.
„Ihr seid ein königliches Priestertum“
In der ersten Lesung schreibt der Petrus an seine Christen: „Ihr seid eine königliche Priesterschaft.“
Fühlen wir uns wirklich als Priester? Wenn jemand Ihnen sagen würde: „Sie sind doch Priester. Können Sie mir in meinen Glaubensfragen helfen?“, dann würde die meisten von uns erst mal einen Schreck gekommen und sagen: „Gehen Sie doch besser in die Kaiserstraße zur Kirche Maria Frieden. Die Priester da können Ihnen weiterhelfen.“ Wir sind uns nicht bewusst, dass wir auch als Laien Priester sind und dazu die Gaben des Geistes in Taufe und Firmung empfangen haben.
Das Zweite Vatikanische Konzil bestätigt dies im Dokument über das Laienapostolat:
„Durch die Taufe dem mystischen Leib Christi eingegliedert und durch die Firmung mit der Kraft des
Heiligen Geistes gestärkt, werden die Laien vom Herrn selbst mit dem Apostolat betraut. Sie werden zu
einer königlichen Priesterschaft und zu einem heiligen Volk (vgl. 1 Petr 2,4-10) geweiht, damit sie
durch alle ihre Werke geistliche Opfergaben darbringen und überall auf Erden Zeugnis für Christus
ablegen.“
Aus dem Empfang dieser Charismen, auch der schlichteren, erwächst jedem Glaubenden das Recht und die
Pflicht, sie in Kirche und Welt zum Wohl der Menschen und zum Aufbau der Kirche zu gebrauchen.“ (No.
3)
Wir übersehen oft einen wichtigen Ritus nach der Taufe. Der Priester salbt den Täufling mit Chrisam und sagt dabei:
„Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt; denn Du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit.“
In der Bibel gibt es drei Gruppen von Menschen, die mit Chrisma gesalbt werden: Priester, Propheten und Könige. Jesus vereinigte alle drei Funktionen in sich. Durch die Taufe nehmen wir teil am Priestertum Christi, an seiner prophetischen Verkündigung, an seinem königlichen Herrschaftsanspruch.
Was kann „königliches Priestertum“ für uns heute bedeuten?
Zunächst ist es wichtig, die Ursachen für unsere heutige kirchliche Situation aus der Geschichte zu begreifen. In der Gemeinde in Korinth gab es noch keinen Pfarrer, wie wir ihn kennen. Paulus spricht von einer lange Liste von verschiedenen Aufgaben und Ämtern. Da gab es Prediger, Propheten, Leute mit einer speziellen Gabe des Gebets, Missionare, Heiler, Verwalter — eine große Vielfalt, der Charismen.
Im Laufe der Geschichte wurden die meisten Gaben und Aufgaben auf eine Person konzentriert: den geweihten Priester. Deshalb ist es auch so schmerzlich für Gemeinden, wenn diese zentrale Person plötzlich nicht mehr da ist. Dann scheint erst mal alles zusammenzufallen.
So schmerzlich der Priestermangel für uns ist, vielleicht ist es ein guter Schmerz, eine Chance, uns wieder auf das Priestertum der Gläubigen, das alle in der Taufe empfangen haben, zu besinnen.
Wie kann der Laie heute priesterlich leben?
Priester ist der, der Opfer darbringt. Im Alten Testament waren die Opfergaben
Dinge: Tiere, Lebensmittel, Geld. Jesus, der einzige Hohepriester, hat das alles außer Kraft gesetzt.
Gott braucht unsere materiellen Opfergaben, wohl aber die Armen. Gott aber will uns selbst, unsere
Selbsthingabe. Das war das Priestertum Jesu: Seine Selbsthingabe an den Vater und an die Menschen,
vor allem die Armen. Die Hingabe seiner Selbst, seines Leben drückt er nochmal in der Eucharistie
aus: „Mein Leib, für euch hingegeben... Mein Blut (mein Leben) für euch vergossen...“ Diese
Selbsthingabe an Gott und unsere Mitmenschen können wir alle täglich leben. Mütter, die 5 mal nachts
aufstehen, weil das Baby schreit; Krankenschwestern, die sich dem leidenden Patienten geduldig und
liebevoll zuwenden; Politiker, die ihre Kraft und Zeit nicht für die eigene Karriere oder für
Parteiinteressen, sondern zum Wohl der Menschen opfern; alle, die sich selbstlose für andere
einsetzen: alle, die Zeit und Energie, ihre Fähigkeiten und materiellen Möglichkeiten für Andere
geben, sie alle leben und wirken priesterlich.
Wenn wir so priesterlich leben, dann wird auch die Feier der Eucharistie wieder lebendig. Dann kommen
wir nicht mit leeren Händen in die Sonntagsmesse, sondern vereinen unsere armselige Hingabe mit der
totalen Hingabe Jesu, und finden in der Vereinigung mit Jesus die Kraft, eine weitere Woche nicht für
uns selbst, sondern wie er für Gott und die Mitmenschen da zu sein.
Was heißt, Prophet sein?
Propheten sind nicht Menschen, die die Zukunft voraussagen, sondern die für Gott, im Namen Gottes reden. Prophet sein ist nicht leicht. Propheten sind immer Zeichen des Widerspruchs. Sie wagen es, wider den Zeitgeist zu sprechen. Eltern, Katecheten, Lehrer, die die ganz schwierige Aufgaben ernst nehmen, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben, sie alle leben ihr prophetisches Charisma.
Was bedeutet, am Königtum Christi teilhaben?
Um das zu verstehen und zu leben, müssen wir uns immer wieder daran erinnern, das für Jesus Herrschaft nicht Macht, sondern Dienst ist, die kleinen und großen Dienst in Familie Nachbarschaft und Gemeinde, der Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Frieden in der Gesellschaft, und der Dienst an der Schöpfung, um sie für kommende Generation zu bewahren.
Priestermangel als ein Zeichen der Zeit erkennen
Der Mangel an jungen Menschen, die sich im Weihepriestertum und im Ordensleben ganz dem Dienst für Gott und seine Kirche schenken, ist schmerzlich. Wie reagieren wir darauf? Was sicherlich nicht weiterführt ist: auf die böse säkularisierte Welt und die Medien zu schimpfen; die „Amtskirche“ (dies fürchterliche Unwort) oder die Diözesanverwaltung zu kritisieren oder zu meinen, man könnte das Problem durch Managementberatung und reine Strukturveränderungen in den Griff bekommen.
Was uns weiterbringt ist eine gemeinsame Rückbesinnung auf unsere Taufgnade und unsere priesterliche und prophetische Sendung als Laien in Kirche und Welt. Wenn sich die ganze Gemeinde als eine „königliche Priesterschaft“ versteht, und mit ihrem priesterlichen, prophetischen und dienenden Leben den geweihten Priester mitträgt, dann werden aus diesem Humus eines gelebten Taufpriesterums auch wieder Menschen den Mut finden, wie der Pfarrer von Ars, als Weihepriester ihren Mitchristen das Brot des Wortes und das Brot der Eucharistie zu brechen.
Wallfahrtspredigt Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger, Hildesheim im Juli 2011
Auf einem Hügel irgendwo in Israel singt eine einfache junge Frau ein Lied. Nur eine einzige andere hört ihr zu. Beide sind schwanger. Beide wissen, dass sie ihre Kinder in eine Welt hinein gebären, in der die Kinder der Armen nichts gelten. Und doch singt diese junge Frau ihr Lied. Und doch hört die andere ihr zu (cf. V. Krause).
Dieser jungen Frau ist ein großes Geheimnis anvertraut worden: Gott will sein Volk besuchen. Die Wohnung, die er sich dafür erwählt, soll sie selbst sein. Von ihr aus will er seinen Weg in die ganze Welt gehen, um ihr Erlösung zu schaffen. Seither singt alles in dieser jungen Frau aus Nazareth, in Maria. Und sie macht sich auf den Weg, um ihre Cousine Elisabeth zu besuchen und die Freude mit ihr zu teilen. „Gesegnet bist du“- mit diesen Worten empfängt Elisabeth ihre junge Verwandte. Maria fühlt sich verstanden. Sie fühlt ihr Geheimnis, ihre Freude, ihre gute Hoffnung mit Wohlwollen empfangen. So kann sie nun all ihre Gefühle aus sich herauslassen. Sie fühlt sich innerlich befreit – wie ein Deich, der durchbricht. So singt sie das „Magnificat“: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“
Seitdem Maria so auf einem Hügel in Israel gesungen hat, erklingt dieses Lied in aller Welt. Wo immer wir in diesem Sommer Urlaub machen, in den Bergen oder am Meer, in fernen Ländern oder auch hier in der Stadt: Überall wird täglich dieses Lied gesungen. Es gibt keinen Kontinent auf dieser Welt, auf dem nicht Abend für Abend die Gebetsgemeinschaften der Klöster, der Priester und der Ordensleute und auch viele einzelne mit diesem Lied den Tag ausklingen lassen, ganz gleich, was an ihm geschehen sein mag. Es ist ein Lied, das aufrichten kann, ein Lied, in das wir unsere Freude und unser Leid hineinnehmen können. Es ist wie ein Mantel, in dem man hineinschlüpfen kann, der einen umhüllt und schützt – selbst bei Gegenwind. Es ist ein Gebet, in dem sich alles hineinpacken lässt, was wir am Abend eines Tages im Rückblick sagen können und möchten.
In diesem Lied fängt das Undenkbare an sich zu ereignen: Gott kommt in diese Welt. Er besucht uns, wie wir sind. Er kommt zu uns Menschen in unserer Niedrigkeit. Es ist atemberaubend, wie verschieden Menschen sind, schon wir selbst heute Abend in dieser Kirche – und weltweit erst recht. Zu allen will Gott kommen. Das Lied dort auf einem Hügel in Israel ist ein sehr persönliches Gebet und hat doch einen weltweiten Horizont. Es ist ein Gebet voller Selbstbewusstsein und ist zugleich erfüllt von demütigem Vertrauen. Am Anfang des Magnificat steht „meine Seele“ und „mein Geist“. Am Anfang steht Maria mit ihrer ganz persönlichen Erfahrung. Sie traut sich, „ich“ zu sagen: von sich selbst zu sprechen und von dem, was an ihr geschehen ist. Dennoch ist sie nicht selbstbezogen. Ihr Lied rückt sofort Gott ins Zentrum. In allem, was sie darin singt, lässt sie Gott groß sein: „Sein Name ist heilig“. So geht ihr Lied über ihr privates Erleben hinaus. Sie besingt nicht die kleine Welt der Mutterschaft. Sie singt von der weiten Welt, von Vergangenheit und Zukunft. Sie singt von der Hoffnung, dass es das Oben und Unten in dieser Welt nicht mehr gibt; von der Hoffnung, dass die Willkür der Mächtigen ein Ende findet; von der Hoffnung, dass die Ungerechtigkeit zugrunde geht und die Armen satt werden. Sie singt von dem Gott, der einen Blick auch für die Kleinen hat. Dieser Gott ist der Gott unseres Herzens; aber er ist doch größer als unser Herz. Er ist der Gott der ganzen Welt. Das Magnificat lädt ein, die Welt von Gott her zu sehen: Gott ist in ihr am Werk – auch wenn wir oft ganz anders denken und urteilen. Wenn wir selber dieses Lied mitsingen, bringt es auch uns dazu, die Dinge nicht bloß aus unserem Blickwinkel zu betrachten, sondern so, wie sie wirklich sind: von Gott her.
Selbstbewusst und demütig zugleich ist das Lied der einfachen, jungen Frau dort auf einem Hügel irgendwo in Israel. Genauso sollen wir als Christen ihre Worte mitsingen. Wohin immer wir kommen, wen auch immer wir treffen: So sollen wir Gott bezeugen, durch unsere Worte und noch mehr durch unser Verhalten. Selbstbewusst: weil Gott Großes auch an und durch uns tut. Demütig: weil das Große, das geschieht, nicht unsere Leistung ist. Gott ist es, der „mit seinem Arm machtvolle Taten“ vollbringt und dabei „denkt an sein Erbarmen“. Ein solches Lied, ein solches Beten, ein solcher Glaube tut uns gerade heute not. Ein selbstbewusstes Auftreten als Christen, das zugleich demütig ist, weil es alles auf Gott bezieht und alles von Gott her zu sehen versucht.
Lassen Sie mich von einer kleinen Begebenheit erzählen, die mit zwei Schriftstellern zu tun hat, die zu Berlin gehören. Am 14. August 1942 wurde im fernen Santa Monica in den USA Alfred Döblin gefeiert, der Verfasser des Romans Berlin Alexanderplatz. Zu seinem 65. Geburtstag war die ganze künstlerische Prominenz im Exil versammelt, um ihn zu ehren. Doch mitten in der festlichen Stimmung platzte eine Bombe. Das Beben ihrer Detonation ist bis heute zu spüren. Nachdem man Texte des Schriftstellers vorgetragen hatte, trat der Geehrte selbst auf die Bühne. Was Alfred Döblin dann sagte, rief allgemeine Empörung hervor. Bertolt Brecht, der ebenfalls anwesend war, notierte: „Und am Schluss hielt Döblin eine Rede gegen moralischen Relativismus und für feste Maße religiöser Art, womit er die irreligiösen Gefühle der meisten Feiernden verletzte.“ Döblin hatte auf seiner Geburtstagsfeier ein Tabu gebrochen. Er sprach über den christlichen Glauben und erklärte, dass er katholisch geworden sei (30.11.1941). Bert Brecht reagierte auf dieses Ereignis mit einem Gedicht. Es trägt den bezeichnenden Titel: „Peinlicher Vorfall“.
Diese kleine Episode aus dem deutschen Exil und seine Verarbeitung in einem Gedicht ist deswegen noch heute bemerkenswert, weil der „peinliche Vorfall“ den Beginn einer neuartigen gesellschaftlichen Situation bezeichnet. Denn seitdem erscheint nicht mehr die Rede von Gott, sondern das Bekenntnis zum Unglauben als selbstverständlich. In Brechts Gedicht wirkt Döblins Bekenntnis geradezu unanständig. Der Unglaube ist zu achten, der Glaube an Gott jedoch ist gesellschaftlich fragwürdig.
Ich habe den Eindruck: Das ist weithin unsere Situation. In der Öffentlichkeit ist es heute schwer, über den persönlichen Glauben zu reden. Und es scheint mir so zu sein, dass wir Christen inzwischen selbst jene Sichtweise verinnerlicht haben, die Bertolt Brecht vertreten hat: Von Gott zu reden – das gehört sich nicht; man könnte ja einen peinlichen Vorfall heraufbeschwören. Die einfache junge Frau aus Nazareth aber ermutigt uns, mit ihr in das Magnificat einzustimmen, damit es auch in Zukunft durch unsere große und kleine Welt klingt.
Selbstbewusst und demütig zugleich sollen wir von unserem Glauben singen, um den Klang seiner Hoffnung in unsere Welt hineinzutragen. Wir dürfen uns als Christen nicht selbst klein machen in unserer Gesellschaft. Im übrigen, so hat der Journalist Jan Roß in der Zeit geschrieben: „Eine moderne, liberale, offene Gesellschaft entsteht nicht dadurch, dass alle möglichst modern, liberal und offen sein wollen. Sie lebt davon, dass jeder er selbst ist, erkennbar, und deutlich redet - der Katholik wie der Protestant, der Christ wie der Muslim, der Gläubige wie der Atheist. Es ist der Streit, der die Vielfalt hervorbringt, nicht die ängstliche Ausgewogenheit, die gleich mit dem Kompromisshaften und Konsensfähigen beginnen möchte“ und jeden „peinlichen Vorfall“ vermeiden will.
Das „Magnificat“, das Preisen der Größe Gottes, will mitgehen auf den Wegen, die jetzt vor uns liegen. Das Vertrauen, dass Gott seine Welt besucht. Das Vertrauen auf die Nähe und das Erbarmen Gottes, das uns selber selbstbewusst und demütig zugleich machen kann. Und vielleicht sind es mehr Menschen als wir ahnen, die darauf warten, dass wir dieses Lied singen.
Wallfahrtspredigt von Prälat Bernd Richter, Görlitz im Mai 2011
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Heilige Schrift spricht nur an wenigen Stellen von der Gottesmutter
Maria. Diese wenigen Stellen aber sind wichtig und wegweisend. Zwei solcher
Stellen möchte ich heute mit Ihnen betrachten.
Verkündigung "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du
gesagt hast" Luk. 1,38
Vor diesem Wort, fragt Marie allerdings den Engel der Verkündigung:
"Wie soll das geschehen?"Fragen gehören auch zum Leben aus dem Glauben;
ebenso wie der Zweifel des sogenannten ungläubigen Thomas "wenn ich
meine Hände nicht in seine Seitenwunde legen kann, dann glaube ich
nicht..." Fragen und Zweifel dürfen sein, wenn sie einmünden in das
Bekenntnis "Mein Herr und mein Gott" bzw. in die Bereitschaft "Siehe,
ich bin die Magd des Herren".
Geschenkcharakter des Lebens, ich habe mich nicht verursacht und auch
trotz vieler Anstrengungen und Mühen! Mein Leben, meine Angehörigen und
Freunde, sie sind mir letztlich geschenkt, ebenso meine Fähigkeiten und
Begabungen "Was hast du, das dir nicht geschenkt worden wäre?" fragt der
Heilige Paulus. "Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin" 1. Kor. 15..10
Der Lukas-Evangelist legt am Beginn seines Evangeliums ein Gebet in den
Mund Mariens, das die Machtfülle dieser Welt auf den Kopf stellt. Darin
äußert Maria die Hoffnung auf einen Gott, der die Mächtigen vom Thron
stürzt, den Erniedrigten die verlorene Heimat und Würde zurückgibt, der
den Hungernden seine Gaben schenkt und den Reichen leer ausgehen lässt.
Eine Frau, die so betet, ist kein naives Mariechen, als das manche sie
gerne darstellen. Sie ist eine starke Frau und zugleich eine liebende
Mutter, bei der wir Raum finden für unsere Sehnsucht nach Leben, nach
Geborgenheit und Frieden, bei der wir unsere Sorgen und Nöte anbringen
können.
Hochzeit zu Kanaa "Was er euch sagt das tut" Joh 2,4
Der Hochzeitsgesellschaft ist der Wein ausgegangen. Mit ihren
mütterlichen Augen sieht Maria das Dilemma. Es geht hier wohl weniger um
das Getränk, sondern um viel, viel mehr. Im Psalm 104,15 heißt es "der
Wein erfreut des Menschen Herz". Die Freude ist den Gästen vergangen,
ausgegangen, darum die Feststellung Mariens - "sie haben keinen Wein mehr!"
und der Hinweis - "Was er euch sagt, das tut!“. Dieser Hinweis ist
wesentlich. Wir können bei aller Selbstliebe und Großmannssucht nur das
Wasser unserer Sehnsüchte und Schwachheit bringen. ER aber kann dieses
Wasser in köstlichen Wein verwandeln.
Gerade in der heutigen Situation der Kirche ist dieser Hinweis der
Gottesmutter wegweisend und hilfreich: Nicht das Geschrei der Vielen
"Wir sind Kirche" und gleich gar nicht die Meinung von lautstarken
Theologieprofessoren (etwa Prof. Hans Küng mit seinem letzen Buch "Ist
die Kirche noch zu retten") sind für das Leben der Kirche maßgebend.
Weder auf diesen Mann noch auf Meinung der Menschen ist zu hören,
sondern auf IHN und was ER euch sagt! Und er spricht in der Stille
meines Herzens und laut durch die Stimme des Papstes und der Bischöfe.
Die katholische Schriftstellerin Ida Friederike Görres hat um 1940 ein
kleines Marienbüchlein geschrieben mit dem Titel "Das unverdorbene
Konzept", das noch heute lesenswert ist. Görres bezeichnet darin Maria
als den Menschen, in dem Gottes Konzept - Gottes Plan vom Menschen
unverdorben verwirklicht ist. In diesem Büchlein hat Görres drei Motive
zum Bild der gekrönten Himmelskönigin aufgeschrieben.
Die Krone, die Maria trägt, ist ein Geschenk der GnadeMaria verweist auf den Geschenkcharakter unseres Lebens und will uns sagen, alles, was ich bin, bin ich durch einen anderen, nicht durch mich selbst (ein Irrweg ist die sogenannte Selbstverwirklichung). Darum der Lobpreis "Meine Seele preist die Größe des Herrn, denn ER hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut. Gnade als Geschenk nennen das Theologen und Glaubende.Die Krone, die Maria trägt, ist die Krone der MütterlichkeitDie Maler und Bildhauer des Mittelalters wussten um den Unterschied zwischen König und Königin. Der vornehmste Auftrag der Königin war, neben der Mutterrolle, das „fürbittende“ Dazwischentreten zwischen Urteil und Verurteiltem. Für die Menschen des Mittelalters war die Königin die größte Hoffnung auf Begnadigung, auf Vermittlung durch sie beim König Ansehen zu gewinnen, Geschenke und Auszeichnungen des Königs zu erhalten. Die Königin sollte vor dem Volk dar stehen als die schenkende Hand des Königs..So verkörpert Maria in der Kirche dieses mütterliche Element. Dafür steht die gekrönte Maria - als sichtbares Zeichen der mütterlichen Liebe Gottes.Darum unser Gebet: "Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes".Die Krone, die Maria trägt, ist ein Zeichen der Hoffnung.Die Krone auf dem Haupt Mariens wird oft übertrieben groß, unrealistisch, nicht zu den Proportionen passend, dargestellt. Weil sie eben keine menschliche Krone ist, sondern etwas was von Gott geschenkt wird und mit den unerfüllten Sehnsüchten des Menschen zu tun hat. Die Künstler wollen darstellen, dass in Maria alles schon erfüllt ist, wonach wir uns noch sehen. Weil Maria als "das unverdorbene Konzept Gottes" ganz auf Seiten Gottes und ganz auf Seiten des Menschen stand. Somit ist Maria die HOFFNUNF, dass doch alles gut werden wird.So schauen wir auf Maria die gekrönt istmit der Krone der Gnadeder Mütterlichkeitder Hoffnung.
Wallfahrtspredigt Pfr. Dr. W. Kresak, DP des DV Görlitz April 2011
Liebe Wallfahrer aus nah und fern, liebe Mitbrüder, liebe Kolpingfreunde!
Wir stehen mitten in der österlichen Bußzeit, die uns allen die Chance bietet, über unser Leben nachzudenken und dieses aus dem Glauben heraus zu korrigieren, zu erneuern, zu vertiefen.
Es war mir eine Freude, zu hören, dass in jedem Jahr zu diesen monatlich stattfindenden Wallfahrten immer auch jemand von Kolping eingeladen wird, wie im vorigen Jahr z.B. der Bundespräses des KW Deutschlands, Msgr. Otmar Dillenburg.
So möchte ich versuchen, einmal anhand von drei Aussagen auf die Spiritualität des Kolpingwerkes als einer nicht nur für Kolpingmitglieder typischen Laienspiritualität von heute hinzuweisen.
Ich denke, keinem von uns ist Kolping, sind Kolpingfamilien unbekannt. Und doch verbindet wohl jeder aufgrund seiner Erfahrungen und seiner Erlebnisse, aufgrund des jeweils konkreten Erscheinungsbildes von Kolping heute etwas anderes damit, sind doch unsere KF sehr unterschiedlich, was ihre Mitgliederzahl, Größe, Alter, Struktur etc. angeht, als auch wie jede einzelne ihre inhaltlichen Schwerpunkte setzt.
Manche KF orientiert sich in ihrem Handeln und Verständnis am im Jahr 2000 in Dresden verabschiedeten neuen Leitbild des KWD und versuchen, zu erlernen, was es heißt, Katholischer Sozialverband zu sein. Andere KF fühlen sich eher wie ein Familienkreis, wie eine Gruppe neben anderen innerhalb der Pfarrgemeinde. Und doch gibt es bei allen lokalen, statistischen usw. Unterschieden eine Spiritualität, die nicht nur Kolpingbrüder und Schwestern auch über die nationalen Grenzen hinweg verbindet.
So sagt etwa Kardinal Meißner von Köln als Protektor des IKW über Kolping: Kolping ist das der Welt zugewandte Gesicht der Kirche!
Damit ist etwas ganz wesendliches über Kolping gesagt. Es geht darum, der Welt, dem konkreten Menschen sein Gesicht zuzuwenden. Adolph Kolping hat sein Gesicht – wie wir wissen – seinerzeit vor allem den jungen Handwerksgesellen zugewandt. Er hat in seiner Zeit dort hingeschaut, wo andere weggeschaut haben, was seinem Ruf damals sehr geschadet hat. Denken wir z.B. nur daran, dass er von seinen eigenen Mitbrüdern als der „rote Kaplan“ aus Elberfeld bezeichnet wurde. Aber er ließ sich davon nicht beeindrucken, wenn gleich er auch darunter gelitten hat. Wie im Evangelium von Jesus berichtet, „Da schaute er ihn an und fasste Zuneigung zu ihm“, so tat es Adolph Kolping. Und es blieb nicht nur bei emotionaler Zuneigung, sondern daraus erwuchs mehr. Kolping gab den Handwerksgesellen ein Zuhause, er errichtete in Deutschland das erste Gesellenhospiz, gab ihnen Bildung und Heimat. Zu recht heißt es deshalb im Kolpinglied: „Da tat er sein Haus auf und rief uns hinein, wollt mehr noch als Vater und Mutter uns sein.“ Der Welt, dem konkreten Menschen sein eigenes liebevolles Gesicht zuwenden, Zuneigung - nicht Abneigung - zum Menschen zu finden, die sich dann auch im Tun konkretisiert – ist ein wesendlicher Aspekt kolpingscher Spiritualität, denn wie Kolping sagt: „Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist.“
Doch wie zeigt sich diese Zuneigung zum Menschen konkret heute? Der informierte Hörer wird natürlich wissen, wo Kolping sein Gesicht heute etwa im familienpolitischen Bereich der Welt, konkret in Deutschland zuwendet.
Ich erinnere an die diversen Themen und Aktionen, wie etwa: Kinder brauchen Familie, Gesellschaft braucht Familie, an das umfangreiche Dialogpapier: Ehe – Familie – Lebenswege. Immer mischt sich Kolping, gerade wenn es um die Familie geht, in die aktuelle politische Diskussion ein, was auch gerade die Positionspapiere zur Familienpflegezeit oder zur Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Kinderartikel belegen. Es entbehrt ja jeder Logik und ist ungerecht, dass auf Schnittblumen, Trüffel, Wachtelleier und Rennpferde der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7% zur Anwendung kommt, während Windeln, Kindersitze, Babykleidung und Schnuller mit 19 Prozent belegt sind. Für Kolping ist die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Kinderartikel ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit für Familien und würde die Leistung von Familien zusätzlich anerkennen und die finanzielle Belastung von Familien reduzieren.
Auch zu anderen Themen, wie z.B. Kinderarmut, Mutterschutz, Chancengerechtigkeit für Kinder, Elternzeit, Sorgerecht, Elterngeld, Anerkennung von Erziehungsleistungen, Familienwahlrecht usw. hat sich Kolping ebenfalls öffentlich zu Wort gemeldet. Dabei wird deutlich: Bei aller Sparpolitik darf gerade an den Familien nicht gespart werden.
Das Ringen um die Familie, um ihr Wesen, ihre zukünftige Gestalt, um ihre Unterstützung und Einordnung orientiert sich ja im gesellschaftspolitischen Bereich schon lange nicht mehr an den durch das Evangelium begründeten Idealen, sondern läuft der breiten Masse hinterher. Es wird auf jeden einzelnen von uns ankommen. Nur meckern hilft nicht, sondern sich im gesellschaftspolitischen Bereich engagieren! Und ich danke an dieser Stelle ausdrücklich allen, die sich bei diesen Fragen nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Gesellschaft für die Familie einsetzen.
Kolping – das der Welt zugewandte Gesicht der Kirche! Hier müssen wir auch über Europa hinaus schauen, z.B. nach Indien, wo es unter den über 1 Mrd. Menschen ca. 2,4% Christen gibt, die meist aus den unteren, gesellschaftlich benachteiligten Kasten stammend, diskriminiert werden und von den staatlichen Förderprogrammen ausgeschlossen sind. Das IKW bietet hier Hilfe an, damit die Menschen ihre wirtschaftliche und soziale Situation verbessern können. Durch diese konkrete Zuwendung zu diesen Menschen ist das Kolpingwerk Indien seit der Gründung vor 25 Jahren (1981) kontinuierlich auf 1275 Kolpingsfamilien mit ca. 23000 Mitgliedern gewachsen.
Ein Schwerpunkt bildet die Armutsbekämpfung, etwa durch die Einrichtung von Kolpingspargruppen, denn viele Menschen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten geraten immer wieder in die Abhängigkeit von Geldverleihern, die durch hohe Zinsen die Wirtschaftssituation der Betroffenen eher schwächen statt stärken.
Die Mitglieder einer Spargruppe zahlen monatlich umgerechnet 60 Cent auf ein Sparbuch ein. Dieses ersparte Kapital steht dann als Kreditvergabe zur Verfügung und das IKW stockt die Sparleistung der Mitglieder durch Zuschüsse auf. Schon kleine Kredite zwischen 50 und 150 Euro genügen, um sich etwa als Händler selbständig zu machen und Gemüse, Süßigkeiten, Kerzen oder Hochzeitsschmuck zu verkaufen. Andere haben ein Zusatzeinkommen als Näherin oder durch das Reparieren von Fahrrädern. Besonders viele Witwen und Geschiedene, von der indischen Gesellschaft missachtet, profitieren von diesem Angebot. Unter den 18.000 Menschen, die in den letzten Jahren Kredite erhalten haben, waren 12.000 Frauen.
Die finanzielle Unabhängigkeit der Christen ist gerade im Hinblick auf die vor allem durch die von den Moslems betriebene Vertreibung der Christen von der gesamten indischen Ostküste von großer Bedeutung. Hier hilft Kolping mit einem Hausbauprogramm und finanziert den Bau von kleinen Häusern mit Fundament und sanitären Einrichtungen. 250 € genügen, damit eine Familie ein Dach über den Kopf bekommt.
Mit einem Milchviehprojekt versucht Kolping der Unter- und Mangelernährung vieler Familien zu begegnen. Familien erhalten Kühe oder Ziegen, deren Milch Kinder ernährt und die verkauft werden kann. In den letzten Jahren konnten dadurch ca. 2500 Familien wirtschaftlich unabhängig werden und sich gesund ernähren.
Kolpingmitglieder für ein aktives Engagement in der Politik zu gewinnen, ist ebenfalls ein Schwerpunkt in Indien. So haben in allen Bundesstaaten, in denen das Kolpingwerk vertreten ist, Mitglieder für die Dorfräte kandidiert und sind auch gewählt worden, ein Prozess, bei dem vor allem auch Demokratie gelernt wird.
Im Bildungsbereich werden seit vier Jahren verstärkt Jugendliche ausgebildet, da die staatlichen Hilfen oft in den entlegenen Gebieten Indiens nicht ankommen. Vor allem ungelernte und arbeitslose junge Menschen erhalten eine qualifizierte Berufsausbildung. Mädchen werden besonders gefördert, zum Beispiel in der EDV ausgebildet, und erlernen somit einen Beruf, der kein typischer Frauenberuf ist und ihnen mehr Chancen und soziales Prestige bietet. Bislang wurden über 17.000 Personen gefördert.
Diese hier nur kurz vorgestellten Kolpingprogramme sind Teil einer erfolgreichen Projektarbeit, die den Menschen aktive Hilfe bietet. Der Vorsitzende des KW Indiens dazu: „Für die Kolpingmitglieder ist es eine neue Erfahrung zu sehen, dass ihr Schicksal nicht unabänderlich ist, sondern dass sie zusammen etwas bewirken können. Innerhalb der Kolpinggemeinschaft wird ihr Leben auf einmal lebenswert.“
Ja, vieles kann gelingen, wo Menschen ihr Gesicht der Welt zuwenden oder anders mit Kolping gesagt: „Es wird darauf ankommen, das Christentum dem Geiste und der Praxis nach ins wirkliche gesellschaftliche Leben hineinzutragen. - Wo Liebe ist, da muss sie sich auch in Tat und Wahrheit in allen Verhältnissen des Lebens wirksam zeigen. Die Liebe erstreckt sich notwendig auf den ganzen Menschen, nicht bloß auf sein ewiges Heil, sondern auch auf sein irdisches Wohl.“
Kolping – das der Welt zugewandte Gesicht der Kirche – Wir dürfen uns fragen: Wo wenden wir unser Gesicht der Welt zu?
Ein zweiter Aspekt: Bischof Wanke stellt im Hinblick auf die vielfältigen Strukturreformen in den Bistümern Deutschlands dankbar fest: „Die Kolpingfamilien sind Träger des geistlichen Lebens!“
Dem können wir wohl alle mehr oder weniger zustimmen. In der Tat, dem Leben mancher Pfarrgemeinde würde einiges fehlen, wenn es keine KF gäbe. Es ist erfreulich festzustellen, dass es wohl kaum eine KF gibt, die sich nicht im Laufe eines Kirchenjahres zu geistlichem Tun innerhalb der Pfarrgemeinde versammelt, ob am Kolpinggedenktag, am Fest des Hl. Josefs, zum Beten des Kreuzweges, zur Feier von Mai- und Rosenkranzandachten. Auch bei besonderen Gebetsstunden, z.B. an den Anbetungssonntagen, ist auf Kolpingbrüder und Schwestern Verlass. Auch über die Pfarrgrenzen hinaus gibt es ein vielfältiges geistliches Tun. Erwähnt seien die geistlichen Angebote der Diözesanverbände und Bistümer, wie Einkehrtage, Wallfahrten, Exerzitien usw. nicht zuletzt der jährliche im Oktober stattfindende Weltgebetstag des IKW. Anliegen dieses Tages ist es, die Zusammengehörigkeit der weltweiten Kolpinggemeinschaft als Gebetsgemeinschaft zu erfahren und zum Ausdruck zu bringen, wobei jedes Jahr ein anderer der 64 Nationalverbände im Mittelpunkt steht. Besonders an diesem Tag werden die Alltagssorgen und –freuden der Menschen anderer Völker und Kulturen in das persönliche und gemeinsame Beten und Bitten aufgenommen. A. Kolping sagt: „Je mehr du Gott kennen lernst, desto lieber wirst du ihm dienen.“ Und um dieses immer bessere Gott kennen lernen geht es ja nicht nur Kolpingmitgliedern. Denn die jeweils tiefere Gottesliebe bringt die jeweils größere Frucht im Dienst für die anderen hervor.
Hier lobt Bischof Wanke auch, dass es viele Kolpinger sind, die sich in die Gestaltung des Gemeindelebens aktiv einbringen, ob bei Vorbereitung und Gestaltung von Patronats- und Gemeindefesten, bei Jubiläen, beim Fronleichnamsfest, wie auch bei der Kirchenreinigung, im Kirchenchor, in der Gremienarbeit usw.
Das sind freilich die nach außen hin sichtbaren geistlichen Zeichen, dass Kolping in der Kirche zu Hause ist. Es gibt aber Gott sei Dank auch viele Kolpinger, die zu Hause, privat, allein oder in der Familie an der guten alten Tradition festhalten, etwa täglich den Angelus zu beten oder das Kolpingbrevier, die mit Interesse die geistlichen Impulse im Kolpingmagazin meditieren bzw. auf die vielfältigen geistlichen Schriften des Kolpingwerkes zurückgreifen.
Damit aber KF „Träger des geistlichen Lebens“ sind und bleiben bedarf es der besonderen Fürsorge, des pastoralen Dienstes für die KF, die sich ja entsprechend des Leitbildes als Ort des Glaubens verstehen, um auch suchenden und fragenden Menschen religiöse Heimat zu bieten. Hier liegt eine große Verantwortung beim Präses und dem Vorstand, „um die Mitglieder - lt. Satzung - zu befähigen, sich als Christen in der Welt und damit in Ehe und Familie, Arbeitswelt, Freizeit, Kirche, Gesellschaft und Staat zu bewähren.“ (Satzung des KW Deutschland § 2,1.1)
War der katholische Gesellenverein zwar von „bürgerlicher Art“, so sollte nach Weisung Adolph Kolpings doch „Religion drin wohnen“. Deshalb drängte er auf die Mitarbeit von Priestern, die ja anfänglich sogar die Leitung des Gesellenvereins innehatten. So gehört es mit zu den Aufgaben eines jeden Vorstandes, die einzelnen Mitglieder im Leben der Kirche und Gemeinde zu verwurzeln und sie mehr und mehr zu einem Leben entsprechend der christlichen Grundsätze und Wertevorstellungen zu ermutigen und zu begleiten. Sie tragen Sorge für das geistliche Leben der KF und der einzelnen Mitglieder, wobei sich dieser Dienst nicht auf die rein religiösen und liturgischen Bereiche beschränkt, sondern sich auf das Leben und die konkreten Lebenssituationen der Mitglieder in guten und in schlechten Zeiten bezieht. Hier geht es um die Begleitung und Beratung und um praktische Hilfe. Das setzt allerdings die Kenntnis und die Teilhabe an den Bedürfnissen und Sorgen der Mitglieder voraus. Oder mit Adolf Kolping gesagt: „Wer Menschen gewinnen will, muss das Herz zum Pfand einsetzen.“
Kolping – Träger des geistlichen Lebens. Wir dürfen uns fragen: Sind wir Träger geistlichen Lebens in der Familie, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz ...?
Auf einen ganz anderen 3. Akzent der Kolpingspiritualität darf mit den Worten des Vorsitzenden des KW Vietnam hingewiesen werden. Er sagt: Wir wollen die Menschen zur Heiligkeit führen!
Ein Wort Kolpings gab nicht zuletzt dafür den Anlass, wenn er sagt: „Die wahre Gottesfurcht ist die Sehnsucht nach Gott. Alle frommen Übungen des Gebetes, des Empfanges der Heiligen Sakramente haben nur den einen Zweck, uns Gott näher zu bringen, damit Gottes Bild immer reiner und treuer aus uns herausstrahle ( RV 1856, S. 214).
Unter diesem Moto sind seit der Gründung des vietnamesischen Nationalverbandes 2003 ca. 200 KF mit ca. 7200 Mitgliedern entstanden. Im Dezember 2010 erhielt er die staatliche Anerkennung. Der Vorsitzende des KW Vietnam erklärte den rasanten Wachstum mit der Kultur christlichen Zusammenlebens und –arbeitens, als Kontrast zur sonst vorherrschenden Kultur der Rivalität und des Machtgehabes.
Das Kolpingwerk Vietnam basiert auf einen tiefreligiösen Ansatz! Die Motivation, in die Kolpingsfamilie einzutreten, erklärt eine 26jährige Studentin. Sie sagt: Kolping heißt: Jesus besser lieben lernen! Und sie erzählt: Ich diene Jesus in der Kolpingsfamilie.
Die soziale Aktivität ist hier nicht der missionarische Ansatz für Verbandsarbeit, sondern selbstverständliche Frucht des gelebten Christseins in der Kolpinggemeinschaft.
So ist es selbstverständlich, dass die Versammlung der Kolpingsfamilie immer mit einem gemeinsamen Gebet und der Meditation der Heiligen Schrift beginnt. Das Wort Gottes wird unter den Mitgliedern geteilt und auf seine praktischen Konsequenzen hinterfragt. Gedanken des seligen Adolph Kolping ergänzen das religiöse Fundament der praktischen Solidarität, die in jeder Kolpingsfamilie gelebt wird. Jedes Mitglied wird nach seinen täglichen Nöten gefragt und versteht es als seine geschwisterliche Pflicht, dem Nächsten beizustehen.
Mit besonderem Stolz trägt jedes Kolpingmitglied seine „Uniform“, das ist die durch die Kolpingfarben modifizierte vietnamesische Landestracht. In jeder Heiligen Messe lässt sich der orange-schwarze Farbschimmer der Kolpingmitglieder im ganzen Kirchengebäude bemerken. Mit der Aufnahme in eine Kolpingsfamilie endet ein mindestens einjähriges Postulat, in der die Bewerber die Ernsthaftigkeit ihres Interesses beweisen müssen. Undenkbar wäre die Aufnahme von Mitgliedern, die ihr Christsein nicht entsprechend leben. Kolpingmitglieder verstehen sich als Vorbilder in der Pfarrei, deren Leben auf andere ausstrahlen soll. Die Kolpingfarben sind Ansporn noch enger mit Christus zu leben und sein Wort im täglichen Leben in die Tat umzusetzen. Hier liegt die Stärke des Kolpingwerkes und seiner Mitglieder.
Für ihr Zusammenleben ist die Heilige Schrift ausschlaggebend, z.B. die Stelle aus dem Phil (2,2-4), wenn Paulus schreibt: „macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“
Es geht also um ein Zusammenleben und Arbeiten, das den Zusatz „christlich“ wirklich verdient, um eine Kultur der Liebe, die das Miteinander von Klerikern und Laien, Frauen und Männern, Christen und Angehörigen anderer Religionen, von haupt- und ehrenamtlichen bestimmt. Nicht zuletzt kommt es auf ein christlich, biblisch begründetes Verständnis von Amt und Macht, von Würde und Autorität an. Sie sind keine Instrumente der Selbstdarstellung und Machtausübung, sondern haben Dienstcharakter. Vorbild ist Jesus, der Diakon Gottes, der seinen Jüngern die Füße und nicht den Kopf gewaschen hat. Vornehmlich an die Adresse der Verantwortlichen richtet sich die Bitte des hl. Petrus: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde. (1 Petr 5,2f). Und mit Paulus dürfen wir ergänzen, was sich auch Kard. Bengsch zum Wahlspruch wählte: „Wir wollen nicht Herren eures Glaubens sein, sondern Diener eurer Freude“ (2 Kor 1,24).
Kolping – Ein Weg, die Menschen zur Heiligkeit zu führen! Können wir ähnliches von uns, unseren KF, ja mehr noch von unseren Gemeinden sagen?
Kolping – Das der Welt zugewandte Gesicht der Kirche
Kolping – Träger des geistlichen Lebens
Kolping – Ein Weg, die Menschen zur Heiligkeit zu führen
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wenn wir heute hier zur Marienwallfahrt versammelt sind, dann dürfen wir uns besonders auch ihrer Fürsprache anvertrauen und sie bitten:
Heilige Maria, Mutter Gottes, hilf mir, die du dein Gesicht immer wieder – nicht nur bei der Hochzeit zu Kanna – der Welt zugewandt hast, immer wieder neu mein Gesicht der Welt in Wort und Tat zuzuwenden!
Heilige Maria, Mutter Gottes, hilf mir, die du Jesus unter deinem Herzen trugst und nach seinem Tod auf deinem Schoß, mit deinem Sohn ein intensives geistliches Leben zu führen!
Heilige Maria, Mutter Gottes, hilf mir, die du im Himmel gekrönt wurdest, Schritt für Schritt auf dem Weg der Heiligkeit voranzuschreiten! – Amen.